Interview mit dem CEO von AMPLEXOR zur neusten Übernahme und den Wachstumsmöglichkeiten in der Übersetzungsbranche

11 September 2017

In einem Interview mit dem belgischen Magazin Trends sprach Mark Evenepoel, CEO von AMPLEXOR, über seine Ansichten zu den Wachstumsmöglichkeiten in der Übersetzungsbranche

Als Evenepoel 2000 den Posten des CEO von AMPLEXOR (ehemals Euroscript) übernahm, lagen Sprachdienstleister im Trend: „Für mich was das ein echtes Abenteuer. Als ich anfing, wusste ich nicht genau, wie die Herausforderung aussehen würde. 90 % des Umsatzes kam aus Aufträgen für die europäischen Institutionen, für die Euroscript CDs herstellte und täglich ganze Lastwagen voll mit Drucksachen verschickte. Aber in Deutschland wurde man sich der in Europa aufkommenden Nutzung von Websites bewusst. Man war sich aber unsicher, wie man mit dieser Neuerung umgehen sollte, daher wurde ein branchenfremder CEO gesucht − so kam ich dann ins Spiel.”

Evenepoel war mit der Übernahme von Sajan, einem führenden Sprachdienstleister mit Sitz in den USA, beschäftigt. Mit der Übernahme stärkt AMPLEXOR seine Position als innovativer und führender Anbieter von intelligenten Content-Lösungen, die das globale digitale Erlebnis von Unternehmen auf einzigartige Weise verbessern. Es handelte sich um die zweite Übernahme in den USA innerhalb von zwei Jahren und die insgesamt zehnte Übernahme. 2015 wurde euroscript in AMPLEXOR umbenannt, nach dem Content-Management-Beratungsanbieter mit Sitz in Löwen, der das Unternehmen 2013 von Capricorn Venture Fund II übernahm. Zu den Hauptkunden der Gruppe zählen einige der größten Unternehmen aus den Branchen Life Sciences (Johnson & Johnson, GE Healthcare, Roche, Sanofi), Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung (Airbus, Bombardier, Esterline, FN, Thales), Automotive Engineering (Daikin, BMW, IBM, Bosch, Kuka, Siemens), Energie (Areva, EDF, Schlumberger, E.ON.) und Finanzwesen. Aufträge vom Staat machen 20 % des Umsatzes aus.

Sprachdienstleister liegen im Trend

Jüngste Entwicklungen machten deutlich, dass Sprachdienstleister für Investoren immer attraktiver werden. Das zeigt sich auch an mehreren Mergern und Übernahmen im Sektor. Das Marktforschungsunternehmen Common Sense Advisory (CSA) bezifferte den internationalen Marktwert für 2016 auf rund 40 Mrd. US-Dollar (35 Mrd. Euro), der sich auf 18.500 Anbieter verteilte.

Neue Technologien

Das Interesse an Sprachdienstleistern seitens der Finanzbranche liegt auch in den neuen Technologien begründet, die Übersetzungsdienstleistungen um einiges rentabler machen können. „Nach Lernout & Hauspie (1996 von Mendez Translation übernommen) tat sich nichts Besonderes mehr. Es gab Übersetzungsmemorys und ein paar Desktop-Tools. Jetzt passiert gerade wieder viel. Sobald man eine Technologieplattform hat, sind die Wachstumsmöglichkeiten beträchtlich. Der Hebeleffekt ist groß“, so Evenepoel.

Effizientere Organisation

Genauso wichtig ist die Automatisierung des Workflows. AMPLEXOR integriert seine Übersetzungsumgebung in das Content-Management-System seiner Kunden, sodass Übersetzungen mit nur einem Knopfdruck gesendet und integriert werden können. Sajan nutzt eine Software, die Websites automatisch überwacht und Änderungen in einer Sprache sofort in die andere Sprache überträgt. Der Produktivitätsgewinn, der sich daraus ergibt, dass man mehr für einen Kunden arbeitet, wird von Sajan teilweise in Form niedrigerer Preise an den Kunden weitergegeben.

Verschmelzung von Content und E-Commerce

Übersetzungsunternehmen weiten ihre Tätigkeiten auch auf angrenzende Branchen aus. AMPLEXOR erzielt nur die Hälfte seines Umsatzes mit Sprachdienstleistungen, ein Viertel stammt aus Content-Management und ein weiteres Viertel aus Software und Beratung. In Belgien ist AMPLEXOR vorrangig ein Beratungsanbieter für Content-Management und ein Website-Entwickler für Kunden wie KBC, die belgische Nationallotterie, Daikin, Euroclear, VRT, Rabobank und Belfius.

„Wir bieten immer mehr Unterstützung im Bereich Marketing an“, fügt Evenepoel hinzu. „Wir sehen gerade das Aufkommen erster mehrsprachiger Modelle zur Suchmaschinenoptimierung, aber auch für das Marketing-Asset-Management (Management von Werbematerialien, Broschüren, Logos usw.). Das kommt sehr nah an den Bereich E-Commerce heran. Content-Management und E-Commerce werden auf jeden Fall verschmelzen und wir werden mitten drin sein, das ist unvermeidbar.“

 

Weitere Diskussionsthemen:

  • Neuronale Maschinenübersetzung
  • Augmentierte Übersetzung
  • Mehrsprachige Suchmaschinenoptimierung

 

Hier finden Sie das vollständig Interview in der Originalsprache auf Niederländisch. Die Übersetzung ins Englische finden Sie hier

Sie wollen mehr Expertenmeinungen von AMPLEXOR hören? Abonnieren Sie unseren Blog